Sascha Hubbert wird Deutscher Meister im Ultra-Cycling: Rekord nur knapp verpasst

Wesel. Sascha Hubbert aus Wesel wurde Deutscher Meister im Ultra-Cycling, verpasste einen Rekord aber knapp – was ihn auf den 1100 Kilometern erwartete.

Von Holger Sonnenschein NRZ

09.07.2026, 14:39 Uhr

Sascha Hubbert macht keine halben Sachen. Der Weseler Ausdauersportler holte sich jetzt den Deutschen Meistertitel im Ultra-Cycling, bei einem Non-Stop-Radrennen über 1100 Kilometer von Flensburg nach Garmisch-Partenkirchen. Und dabei war Hubbert schon ein Ausnahmetriathlet, gewann 2022 die Herrenwertung beim renommierten Ironman Hamburg. „Ich suche immer wieder neue Herausforderungen, habe da auch kein Problem mit dem Wechsel der Disziplin“, erzählt der Sportler, der den Weseler Lauffreunden HADI angeschlossen ist, nach seiner Rückkehr aus Garmisch-Partenkirchen.

Von Flensburg aus war Hubbert am frühen Freitagmorgen mit 260 weiteren Ultra-Cyclenden gestartet, zeitversetzt im Zweiminutentakt, um auf einer vorgegebenen Route Richtung Süden zu fahren. 56 Stunden war das Zeitlimit für die Strecke längs durch Deutschland, gespickt mit 7500 Höhenmetern. 87 der Gestarteten gaben im Streckenverlauf das Rennen auf, 183 erreichten Garmisch innerhalb der vorgegebenen Zeit. Unter den 128 Einzelfahrenden finishten auch acht Frauen.

Durch Nacht und Kälte: Sascha Hubbert kämpft sich durch den Harz

Über Landstraßen ging es von Flensburg aus zunächst nach Kiel, dann an Hamburg vorbei. „Zu Anfang konnte ich einige Mitstarter überholen, und dann ist man eigentlich allein unterwegs“, erzählt der Weseler. Gegen Abend erreichte er Braunschweig, und als es richtig dunkel war, hatte er den Harz mit seinen Höhenzügen vor sich. „Das war eine echte Herausforderung, denn die Temperatur sank auf sieben Grad“, beschreibt Sascha Hubbert die Fahrt durchs Mittelgebirge, mitten in der Nacht. Tiere wie Waschbären und Füchse säumten die Strecke und hielten den Ultra-Cycler wach – er fuhr in die Morgendämmerung hinein.

Allein auf weiter Flur. Den Großteil der über 1000 Kilometer verbrachte Sascha Hubbert ohne Konkurrenz in Sichtweite. © FUNKE Foto Services

Sein Rennrad von den „Edelhelfern“ aus Düsseldorf, das eigentlich nur sieben Kilogramm wiegt, bestückte er zusätzlich mit Taschen und Flaschen für vier Liter Flüssigkeit. „Auf der gesamten Strecke habe ich drei Kilogramm Kohlenhydratpulver mit Wasser vermischt, man ernährt sich nur flüssig“, berichtet Hubbert, der die Wasserflaschen an Tankstellen, jedoch auch bei Privatleuten wieder auffüllen konnte.

Es konnte schon mal sein, dass eine Körperstelle schmerzte, was sich aber zwei Stunden später wieder legte

Sascha Hubbert, über die lange Zeit auf dem Rad

„Bei Ortsdurchfahrten standen immer wieder Menschen, die uns angefeuert haben, das war mit das Tollste“, erinnert sich Sascha und seine Augen glänzen. Das „Race Across Germany“ gibt es seit 1999 mit der gleichen Streckenführung. Der Weseler erlebte bei der Nonstop-Tour einen Wechsel zwischen „Ups“ und „Downs“. „Es konnte schon mal sein, dass eine Körperstelle schmerzte, was sich aber zwei Stunden später wieder legte“, beschreibt er das Wechselbad mentaler und körperlicher Herausforderungen.

Sascha trotzt Konkurrenz auch mit minimaler Standzeit

Der einzige, den Sascha noch von den weiteren Ultra-Cyclern unterwegs traf, war der spätere Gewinner der „Supported“-Fahrer, Sebastian Mayr aus Bonstetten bei Augsburg. Der hatte immer ein Begleitfahrzeug mit drei Betreuern hinter sich, die ihn versorgten und den Körperzustand überwachten. Das brachte ihm am Ende einen Vorteil von einer Stunde und elf Minuten auf Sascha Hubbert als „Non Supported“-Fahrer.

„Sehr zufrieden bin ich auch, dass ich auf der gesamten Strecke nur eine Standzeit von einer Stunde und zehn Minuten hatte. Dazu zählt das Auffüllen der Flaschen wie das Halten vor Ampeln“, erzählt Hubbert. Inklusive der Standzeit war er mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 32 km/h unterwegs und steuerte auf den Süden Deutschlands zu. Er wusste, dass in Garmisch-Partenkirchen seine Frau Carina und das gemeinsame Töchterchen Lotta auf ihn warten würden, denn gemeinsam hatten sie einen Tag vor dem Rennen einen Urlaub in Österreich beendet, und Carina war mit Lotta schon nach Garmisch „vorgefahren“.

Hubbert verpasst Streckenrekord nach 36-Stunden-Ritt knapp

Am Samstagabend, um 21 Uhr, nach 36 Stunden und 55 Minuten auf dem Bike, kam Sascha Hubbert, mit 1100 Kilometern in den Beinen, im Ziel in Garmisch-Partenkirchen an. Der Zweitplazierte bei den „Non-Supported“-Fahrern, Maximilian Kettner-Arnold, traf erst drei Stunden und 30 Minuten später ein, weitere 101 Fahrer folgten auf den Plätzen. „Kurioserweise habe ich den Streckenrekord nur um eine Minute verpasst“, erzählt Sascha Hubbert wieder in Wesel zurück. „Heute fühlen sich die Beine auch wieder gut an“, sagt er lachend, schon wieder vorausblickend auf ein Ultra-Cycling-Rennen in Südspanien, das Ende August über 800 Kilometer durch die Sierra Nevada führt.