(Archivfoto)

Nadine schrieb auf Facebook:

“Ich wusste, dass es schwer wird. Ich wusste nur nicht, WIE schwer.
06:00 Uhr Hintertux. 73 km, 4.500 Hm liegen vor mir – und eigentlich fühlt sich alles gut an.
Ich starte kontrolliert. Direkt geht es über 1.000 Hm nach oben. Langsam wird es hell, über den Bergen geht die Sonne auf und ich denke tatsächlich: Heute könnte ein richtig guter Tag werden.
Und dann verändert sich etwas.
Je länger ich weit oben unterwegs bin, desto schwerer wird ausgerechnet das, was normalerweise eine meiner Stärken ist: der Uphill.
Über viele Stunden bewege ich mich zwischen etwa 2.000 und 2.700 Metern. Keine Kraft. Zu wenig Luft. Teilweise leichter Schwindel unter Belastung. Anstrengung gefühlt 10/10 – während mein Puls erstaunlich niedrig bleibt.
Ich verstehe in diesem Moment selbst nicht wirklich, was da passiert. Ich merke nur: Heute funktioniert mein Körper anders als erwartet.
Gleichzeitig kann ich kaum glauben, wo ich hier unterwegs bin. Felsen, Geröll, Bergseen, schmale Trails und diese unglaubliche Weite.
Irgendwann erreiche ich auf über 2.700 Metern das Gipfelkreuz. Normalerweise wäre jetzt Zeit für ein Foto. Heute reicht ein Blick auf die Uhr.
Kein Gipfelfoto. Weiter.
Und dann passiert etwas, womit ich nicht gerechnet habe: Bergab läuft es besser.
Technische Trails waren lange meine Schwachstelle. Heute bewege ich mich über Felsen und Geröll und merke plötzlich, wie viel sich verändert hat.
Kopf aus. Vertrauen. Machen.
Ein Sturz. Einmal umgeknickt. Kurz der Gedanke: Es ist vorbei. Doch ich kann weiter.
Währenddessen wird die Zeit immer knapper. Weil bergauf die Kraft fehlt, werde ich langsamer. Die Verpflegungspunkte werden zu: auffüllen, essen, weiter.
Irgendwann geht es nicht mehr darum, wie schnell ich ins Ziel komme, sondern ob.
Dann wird es dunkel.
Noch ungefähr 16 Kilometer und plötzlich sind meine Beine wieder da. Wald, Wurzeln, Steine, Treppen, Forstwege. Nach 12,5 Stunden im hochalpinen Gelände fühlt sich das fast vertraut an. Ich laufe!
Irgendwann kommen die ersten Häuser. Applaus aus Gärten, von Balkonen und später mitten aus Mayrhofen.
Der Zielbogen vor mir.
Nach über 15 Stunden weiß ich:
Ich werde finishen.”